zugehört: Woraus ist Popmusik gemacht?

Worum geht's?

Über Musik wird wenig geschrieben, das für Nicht­musiker verständlich ist. Fast so, als hätten die an den Hinter­gründen kein Interesse oder könnten sie sowieso nicht verstehen. Beides glaube ich nicht.

Ich unternehme auf diesen Seiten den Versuch, einige Grund­lagen und Konzepte der Popmusik allgemein­verständlich darzulegen, soweit sie mir selbst bekannt sind. Das Ganze ist für den neugierigen Konsumenten gedacht, vielleicht entfernt vergleichbar mit einem Making-of zu einem Spielfilm. Ich beginne mit Experimenten zur Harmonie, die jede Art von Musik betreffen, und arbeite mich zu pop-spezifischen Themen wie Akkord­zyklen und Effekten vor. Die neun Teile bauen aufeinander auf und setzen zum Verständnis jeweils die voran­gegangenen voraus.

Eins vorweg. Musik erscheint hier aus einer ungewohnten Perspektive. Normaler­weise erleben wir sie als Teil des Show­business, als bunte und laute Künstler­welt, bevölkert von tanzenden Boygroups, spiel­freudigen Instrumentalisten, charismatischen Front­männern und kreischenden Groupies. Das alles wird hier ganz weit weg sein. Es geht um das Fundament unter dem Rummel, um Struktur, Funktion, Physik und Mathematik.

Übrigens: Es ist gar nicht so absonderlich, sich als Nicht­musiker mit Musik zu befassen. In der Antike und im Mittel­alter war es für einen gebildeten Menschen durchaus üblich und angemessen, die Prinzipien der Musik zu kennen, ohne sich selbst als Musikant zu betätigen. Die Theorie von den Tönen und Tonarten galt als eine der sieben freien Künste und stand damit auf einer Stufe mit Lehren wie Logik und Geometrie.

Was ist anders?

Ich wollte die abschreckenden Begriffe "Musik­theorie" und "Harmonie­lehre" eigentlich nicht anbringen, aber natürlich haben die Grund­lagen der Musik viel damit zu tun. Kosten­lose Einführungen in die Harmonie­lehre gibt's im Web und bei YouTube zuhauf, das ist nichts besonderes. Ungewöhnlich ist hier aber die Ausrichtung auf den Musik­hörer statt den Musik­macher. In der Regel werden solche Kurse nämlich für Hobby­musiker aufgelegt. Es gibt sie in zwei Sorten. Geschmacks­richtung 1: umfassend, tief­greifend, halbes Musik­studium, für Nicht­musiker ungenießbar. Geschmacks­richtung 2: das Nötigste für die ungeduldigen Theorie­hasser unter den Musikern, weitgehend frei von Erklärungen. Die zweite Sorte mag der interessierte Laie vielleicht verstehen, aber die Schwer­punkte sind für ihn komplett verfehlt. Nötig ist für ihn gar nichts, und interessant sind oft gerade die Erklärungen.

Außerdem erfolgt die grafische Darstellung fast immer in Noten­schrift. Das ist für den Musiker bequem, weil er sich nicht erst in ein anderes System hinein denken muss. Aber dem Nicht­musiker für Einblicke in die Harmonie­lehre erst die Noten­schrift beizubringen, ist ziemlicher Unsinn, denn optimal ist die Noten­schrift für diesen Zweck überhaupt nicht. (Problematisch ist vor allem das Nicht­unterscheiden von Ganz- und Halbton­schritten. Es sieht alles einfacher aus, als es ist. Es fehlen wichtige Informationen, die Zusammen­hänge werden schlecht visualisiert.) Ich verwende hier eine eigene grafische Darstellung, Noten­schrift gibt es bei zugehört nicht.

Die Spotify-Player

Bei allen Beispielen aus dem kommerziellen Pop lässt sich ein Spotify-Player ausklappen.

Pearl Jam "Black"  1991 Player auf-/zuklappen

Das vollständige Stück können Sie nur mit Spotify-Abo hören. (Das gibt es in zwei Stufen, mit Werbe­unter­brechungen ist es kostenlos.) Was genau dafür zu tun ist, hängt vom Gerät ab. Getestet habe ich nur Android und Windows:

Ohne Abo spielt der Player nur eine 30-Sekunden-Passage aus der Mitte in der Dauer­schleife, was zum Teil ungünstig bis nutzlos ist. Wenn ich mich auf Besonder­heiten beziehe, die nur eine Stelle im Stück ausmachen, ist diese meistens am Anfang.

Beiträge und Quellen

Es ist bei meinem Hintergrund (siehe unten) nicht unwahr­scheinlich, dass der Text neben absichtlichen Verein­fachungen auch echte Fehler enthält. Für entsprechende Hinweise bin ich dankbar.

Auch sonstiges Feedback ist willkommen. Natürlich hat die Seite einen gewissen inhaltlichen Rahmen, es geht um Gebräuche. Hier soll kein Kuriositäten­kabinett entstehen, d.h. ein Song im 11/4-Takt von einer obskuren lettischen Prog-Band wäre eher kein heißer Tipp.

Die Analysen der Songs (Tonarten, Akkorde u.ä.) habe ich selbst vorgenommen. Die historischen Abstecher im Teil "Sampling und Synthese" sind im Wesentlichen Ultra­kurz­fassungen der jeweiligen Wikipedia-Artikel.

Über mich

Ich bin Autodidakt und weiß über einige Bereiche kaum mehr, als ich hier schreibe. "Autodidakt" meint dabei nur die Musik­produktion mit Sequencer und elektronischen Klang­erzeugern, ein physisches Instrument beherrsche ich nicht.